Deutsche Griechenland-Hilfe gut angelegt

Exportvorteile aus dem Ouzo-geschwächten Euro wiegen deutschen Hilfsanteil auf

Vancouver, 16. April 2010

Ich habe mich bislang aus der Berichterstattung über das Drama um Griechenland herausgehalten. Aus gutem Grund: Vancouver liegt 11 Flugstunden entfernt, Ihr seht die Ereignisse von Europa aus alle besser.

Doch manchmal hilft die Ferne. Vom Pazifik aus sehe ich einen Segen in der ganzen Angelegenheit, den man nicht unterschätzen darf.

Der vom Griechenland-Desaster geschwächte Euro hat dazu geführt, dass praktisch alle wichtigen Währungen in Asien seit Jahresbeginn deutlich gegenüber dem Euro zugelegt haben, wesentlich mehr als gegenüber dem US-Dollar, an den manche von ihnen – wie der Hong Kong-Dollar und der Renminbi – gekoppelt sind.

Zwischen 5% und 14% haben Asiens Währungen sich allein seit dem 1. Januar gegen-über dem Euro verteuert, und jeder weiß, was das heißt: Exportvorteile für deutsche Lieferanten von Maschinen, Kraftfahrzeugen, elektrischen Anlagen und vieles mehr.

Hier ist nicht nur ein positiver Mengeneffekt am Werk: Während die deutschen Aus-fuhren 2009 insgesamt um 18,4% zurückgingen, legten die Verkäufe nach China um satte 7% zu.

Da kann Rainer Brüderle noch so sehr beteuern, der Euro steuere keinen entschei-denden Teil zu den deutschen Exporterfolgen bei, am Ende des Tages ist es eben doch so.

Dass deutsche Verkäufe nach Asien sich besser halten als die Exporte in andere Regionen der Welt, hat sehr wohl auch mit dem Währungseffekt zu tun, nicht nur mit Chinas schneller Rückkehr zum Turbowachstum.

Denn deutsche Exporteure, die in asiatische Länder liefern, bekommen bei der Repa-triierung ihrer Erlöse mehr Euro in dem Umfang, in dem fernöstliche Währungen auf-gewertet wurden.

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Ja, ja, ich weiß, auch in Asien wird vieles in Dollar abgerechnet. Aber auch der Dollar hat seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro zugelegt, 6%.

So, und jetzt kommt die spannende Rechnung.

Deutsche Firmen verkauften laut dem Statistischen Bundesamt im vergangenen Jahr an die 9 größten Absatzmärkte in Asien – China, Japan, Indien, Südkorea, Singapur, Hong Kong, Taiwan, Malaysia und Thailand – Waren im Wert von 150 Mrd. Euro.

Nehmen wir einen durchschnittlichen Währungseffekt gegenüber den asiatischen Wäh-rungen von 6%, dann würden europäische Lieferanten im Umfang von 9 Mrd. Euro von der Verbilligung des Euros profitieren.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Euroschwäche nicht zu 100% von Griechenland ausgelöst wurde – es gibt ja schließlich einen feinen Verein namens PIIGS mit weiteren Wackelkandidaten – dann wäre der deutsche Anteil an der Griechenlandhilfe weitgehend von der Währungs- und Handelsseite kompensiert.

Natürlich kommt das Geld nicht zu genau den gleichen Leuten zurück, die im schlimm-sten Fall zur Kasse gebeten werden, doch unsere Volkswirtschaft hat einen klar erkennbaren Vorteil im Außenhandel von der Ouzo-Krise.

Auf den Penny lässt sich das nicht beziffern. Auch weiß niemand, ob es bei diesem einen Rettungsring für Athen bleibt. Bisher hat Griechenland von dem Angebot noch keinen Gebrauch gemacht. Weitere Dramen sind im Anrollen. Schließlich: Auch die grundsätzlichen Bedenken gegen ein solches Hilfspaket werden durch diesen Effekt nicht aufgehoben, klar.

Doch der Hinweis auf die Währungs- und Handelsseite sollte dazu dienen, die Wogen um das Rettungspaket etwas zu glätten und zu versachlichen.

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Straßenschlachten vor dem Kanzleramt ?

Ein Report der BIZ lässt Übles für Europa ahnen:

Entschuldung nicht ohne Unruhen

Das jüngste Arbeitspapier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) trägt die harmlose Nummer 300. Doch dahinter verbirgt sich massiver Sprengstoff zur Frage, wie die führenden – vor allem europäischen – Länder jemals ihre Schulden abarbeiten können. 

Hier das Szenario der BIZ (in den Grafiken “BIS” abgekürzt, wegen des englischen Namens) im Telegrammstil:

- konjunkturelle Anschubprogramme sowie Bailouts und Aufkauf von Wackelpapieren während der Krise haben die führenden Industrieländer im Schnitt 13,2% des BIP gekostet 

- der Anteil der öffentlichen Schulden am BIP hat sich seit 2007 in den meisten Län-dern um 20-30 Prozentpunkte erhöht (weil ja auch die Einnahmen zurückgingen, während die Ausgaben stiegen) 

- der Verlust von Kapazitätsauslastung bedeutet jedes Jahr etwa 2-4% weniger Steuereinnahmen (als Prozentsatz des BIP) 

- bis zum Jahr 2050 werden die öffentlichen Ausgaben, die in Zusammenhang mit der Vergreisung unserer Gesellschaften stehen, bis zu 13% zunehmen 

- traditionelle Sparmaßnahmen reichen nicht mehr aus, selbst wenn sie schmerzhaft sind 

- daher bietet sich ein dritter Weg an: Bereits erfolgte öffentliche Versorgungszu-sagen, die noch nicht eingelöst worden sind, einfrieren oder kürzen 

- das Brisante: Während eine derartige soziale Brandrodung in Deutschland und den Niederlanden eine Umkehr der steigenden Verschuldung erzwingen könnte, würde sie in Frankreich, Irland, Großbritannien und den USA laut BIZ nicht  ausreichen, um die Verschuldung unter Kontrolle zu bringen.  

Was es in den genannten Ländern bedeuten würde, bereits erfolgte Zusagen für die Pensionierung und eventuell andere staatliche Leistungen drastisch zu kürzen, kann man sich ausmalen. Wenn selbst eine Verlegung des Renteneintrittsalters um zwei Jahre nach hinten zu einer Zerreißprobe führt, könnte das der Stoff für Straßenschlachten vor dem Kanzleramt sein. 

  

Aus dem BIZ-Working Paper: Zusätzliche Kosten aus der Vergreisung unserer Gesellschaften

Das vergebliche Ringen der Finanzminister – wie ehrlich und hart, wissen wir nicht – könnte in Unruhen münden. Denn bei anhaltender Arbeitslosigkeit, höheren Steuern, galoppierender Inflation und vielleicht erneuten Börsenverlusten würde die Kürzung staatlicher Leistungen das berühmte Fass eventuell zum Überlaufen bringen. 

Dabei weiß ja niemand, wieviele Löcher, mit denen wir nicht gerechnet haben, oder die wir nur abstrakt vermuten konnten, noch aufgedeckt werden: Garantierte Leistungen, die unsere Kapital-Lebensversicherungen nicht einhalten können weil die Zinsen am Kapitalmarkt viel zu lange viel zu niedrig geblieben sind; die immer noch versteckten Verluste in den Banken; eine zweite Bailout-Runde, die noch viele Steuermilliarden verschlingen kann, sollte der von einigen prognostizierte Double-Dip kommen; schön gerechnete Prognosen der Finanzminister, die sich als Fantasieprodukt oder gar als Lügengebilde herausstellen etc. 

Und was ist, wenn die Zinsen später dann doch steigen und die fiskalische Last explosionsartig erhöhen ? Der Hinweis, wie ihn heute Griechenland gab – man lehne “barbarische Zinssätze” ab, ist völliger Humbug und ändert gar nichts. 

Die künftige Zinslast, wie sie die BIZ erwartet

Werfen wir einen kurzen Blick in die USA, um die Dimension möglicher böser Überraschungen zu skizzieren: Am Stanford Institute for Economic Research haben Studenten im Auftrag von Gouverneur Arnold Schwarzenegger die Kassenlage der größten Pensionsfonds nachgerechnet und – ooops ! – ein Loch von 500 Milliarden (nicht Millionen !) Dollar entdeckt, wie am Mittwoch berichtet. 

Das ist mehr als das BIP vieler Schwellenländer ! Mit dieser Entdeckung stehen plötz-lich die Pensionen von 2,6 Millionen Kaliforniern im Feuer. 

Ein anderes US-Beispiel, ebenfalls von dieser Woche: Auch die siechende Autostadt Detroit – falls man sie noch so nennen kann – muss umgehend viel mehr einsparen als nur laufende Kosten, sprich, sie muss an bereits zugesagte Leistungen ran.

Ein Bericht des Citizens Research Council of Michigan bescheinigte zu Wochenbeginn dem Bürgermeister Dave Bing, dass ohne drakonische Einsparungen die Stadt mit einem Defizit von fast 30% in ihrem nächsten Budget rechnen muss.

Leute, prozentual ist das zweieinhalb Mal Griechenland ! 

Diese Dramen spielen sich sechs Flugstunden von Frankfurt, Hamburg, München oder Erfurt entfernt ab. Ein sicherer Abstand ? Das täuscht.

Auch in Europa zeigt sich schon längst deutlich, welche gesellschaftlichen Auseinandersetzungen drohen, wenn mit dem Sparen ernst gemacht wird. Dabei denke ich nichtmal an Griechenland. 

Öffentliche Schulden/BIP, Prognose für 2010 und 2011

Beispiel Großbritannien: Die BIZ hat der Insel binnen eines Jahrzehnts Zinsbelastungen auf ihre Schulden in Höhe von 5-10% des BIP prognostiziert, 27% bis 2040, wenn keine drastischen Sparmaßnahmen kommen, und zwar umgehend.  Demnach geht der Plan von Labour, das Budgetdefizit in jedem der drei kommenden Jahre um 1,3% zu konsolidieren, nicht weit genug. 

Trotzdem laufen Gewerkschaften und Industrie schon jetzt Sturm und klagen, “unsere Steuern sind zu hoch”. Das haben sie – wie wir wissen – schon immer, aber die Rufe werden nervöser und lauter.

Hier zeigt sich ein Dilemma, das noch eine große Rolle spielen wird: Um die klaffenden Haushaltslöcher zu stopfen, müssen auch Steuererhöhungen kommen, denn Einsparungen allein werden nicht reichen.

Doch das wird viele Firmen an andere Standorte außerhalb Europas vertreiben. Sie sollten eigentlich hier bleiben, um genügend Jobs zu schaffen. Anders gibt es keinen nachhaltigen Aufschwung.

Das ist einer der Nerven aufreibendsten und schwierigsten Drahtseilakte, die europäischen Finanzministern bevorstehen: Um die Schulden zu senken, werden zwangsweise Steuerbedingungen geschaffen, die es den Arbeitgebern erschweren, die neuen Jobs hier und nicht in Indonesien, Nigeria, Vietnam oder Indien zu schaffen.

Reichlich deprimierend ist auch die folgende Grafik, die uns in der unteren Hälfte zeigt, wie hoch die Budgetdefizite als Anteil am BIP im kommenden Jahr sein werden, wie groß der Überschuss in den Haushalten aber bis 2030 jedes Jahr sein muss – obere Hälfte – um die Gesamtschulden auf das Niveau vor Ausbruch der Krise, also 2007, zurückzuführen, geschweige denn zu tilgen

 

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Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher

Amerika ist nicht das “Land of Opportunity”

Die OECD räumt in einer brisanten Studie mit einem alten Märchen auf: Dass man sich in den USA mit harter Arbeit stets aus dem letzten sozialen Loch in den Boni-Himmel hochschuften kann.

Die soziale Mobilität zwischen den Generationen, so der Bericht “A Family Affair: Intergenerational Social Mobility across OECD Countries“, ist in den USA dramatisch geringer als in den meisten europäischen Ländern.

Man höre und staune ! Das in amerikanischen Augen so verharzte, kaputt-bürokratisierte, sozialisierte und von jeglicher Aufstiegsvitalität gereinigte “Old Europe” steht plötzlich gar nicht so schlecht da.

Zwischen Los Angeles, Seattle, Houston und Boston sind dagegen die Sprossen auf der sozialen Leiter ziemlich morsch.

Warum das so ist, kann man dem sehr informativen Bericht – der den USA einiges zu grübeln geben sollte – auch gleich entnehmen: Die beiden wichtigsten Gründe sind das Bildungssystem und – in meinen Augen noch gravierender – die Ungleichverteilung der Einkommen.

Die Harvard-Professorin Elizabeth Warren - neben vielen anderen – beklagt schon lange die Eliminierung des US-Mittelstandes, der zwischen einer wachsenden Armuts-Schicht und der Bonus-Elite regelrecht zermalmt wird. 

Hier ein Zitat aus dem Bericht, der in der Huffington Post zu der OECD-Studie zu lesen ist. So klingt das, wenn man in Amerika aus der zur Selbsttäuschung verleitenden Dauer-Siegerpose schlüpft und sich ehrlich mit der Realität auseinandersetzt:

“That confirms findings by other researchers. “The way I usually put this is that when the rungs of the ladder are far apart, it becomes more difficult to climb the ladder,” Brookings Institution economist Isabel Sawhill tells HuffPost. “Given that we have more inequality in the U.S. right now than at any time since the 1920s, we should be concerned that this may become a vicious cycle. Inequality in one generation may mean less opportunity for the next generation to get ahead and thus still more inequality in the future.”

Wer aus dem Sumpf der ausgezehrten und vernachlässigten – und im beinharten Darwin-Kapitalismus aufgeriebenen – Masse in den USA kommt, kann sich – ohne die begrenzt verfügbaren Stipendien kaum den Weg nach oben bahnen. Auch wenn die Märchenstunden im Wall Street-Fernsehen stets anderes nahelegen.

Die USA landen in diesem vernichtenden Vergleich deutlich hinter Dänemark, Australien, Norwegen, Finnland, Kanada, Schweden, Deutschland und Spanien, wenn es darum geht, wie frei und ungehindert ihre Bürger die soziale Leiter rauf – oder runter - klettern können.

Demnach werden zum Beispiel in den USA 47% der ökonomischen Vorteile, die ein gut verdienender Vater hat (wenn er denn zuhause ist, wie selten in den schwarzen Familien) aber auch 47% der Nachteile, die ein geringverdienender Dad zu spüren bekommt, weiter gereicht. In Australien sind das nur 17%, in Kanada 19%.

Als der wichtigste Grund für soziale Immobilität wird in der Studie eindeutig das Schulsystem ausgemacht. Und hier scheint Amerika seine jungen Menschen im internationalen Vergleich eher nieder zu halten.

Einen Trost hält die Studie aus amerikanischer Sicht aber bereit: Das Land mit den größten Chancen, auf der sozialen Leiter aufzusteigen, ist Kanada:

Amerikaner müssen somit nur die Grenze zum Nachbarland überqueren.

Doch Vorbedingung ist ein schwieriges und schwerwiegendes Eingeständnis. Im Land der Siegertypen, wo es viele schlechte Verlierer gibt, ist das aber eine riesige Hürde.

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Kundenpflege 2.0

Posted by Markus Gaertner on 24/03/10

Globale Topfirmen: Nur jede 4. in den USA

und jede 3. in Europa unterhält einen eigenen Blog

Von den weltweit führenden Firmen der “Fortune Global 100″-Liste nutzen bereits 79% mindestens eine soziale Plattform im Web2.0-Universum, um mit ihren Kunden zu kommunizieren.

Das ist auf den ersten Blick eine hohe Zahl, wie eine Umfrage von Burson-Marsteller bei den 29 amerikanischen, 48 europäischen, 20 asiatischen und 3 lateinamerkanischen Firmen dieser exklusiven Liste zeigt.

Die von November 2009 bis Januar 2010 erfolgte Umfrage belegt jedoch auch, dass von den führenden Firmen dieser Welt erst 33% einen Firmenblog einsetzen. In Europa nutzt sogar nur jedes 4. Unternehmen dieses elitären Clubs firmeneigene Blogs, um sich mit Kunden, Lieferanten, Aktionären oder anderer “Klientel” auszutauschen.

Demnach haben sich fernöstliche Firmen – von denen nur jede zweite mindestens eine soziale Plattform nutzt – bislang am wenigsten in dieses neue Orbit vorgewagt. Doch die, die in diese Richtung aktiv geworden sind, erweisen sich im direkten Vergleich mit ihrer europäischen und US-amerikanischen Konkurrenz als weitaus bessere Kommuni-katoren.

Denn mit 50% setzen asiatische Firmen zwei Mal so häufig Blogs ein wie europäische Mitstreiter. Und der Anteil der asiatischen Firmen, die Twitter, Facebook, Youtube und einen eigenen Blog einsetzen, ist mit 25% nicht nur knapp hinter den USA – 28% – sondern auch deutlich vor Europa, wo nur 15% der Firmen aus der Fortune-Liste alle vier Plattformen nutzen.

Auch beim Twittern selbst zeigt sich die erstaunliche Kommunikationsfreude der Firmen in Asien. Zwar nutzen dort nur 40% der Firmen ein Twitter-Konto (oder -profil) – gegenüber 71% in Europa und 72% in den USA – doch die, die sich auf Twitter tummeln, reagieren weitaus häufiger auf Tweets anderer Teilnehmer – 49% Asien, vs. 43% USA und 25% Europa.

Auch bei der Zahl der Firmen mit Fanseiten auf Facebook – 40% in Asien-Pazifik, 52% in Europa und 69% in den USA – schneiden die Asiaten zunächst nicht so gut ab.

Doch wenn sie Facebook nutzen, unterhalten sie mit 4,9 Konten je Firma gleich doppelt so viele Seiten wie amerikanische Wettbewerber und fast vier Mal so viele wie die Euro-Konkurrenz

Dasselbe Bild bei der Nutzung von Youtube, also der videogestützten Kommunikation mit Kunden oder Lieferanten. Nur knapp mehr als jede dritte Firma (35%) nutzt diesen Kanal in Asien, gegenüber 52% in Europa und 59% in den USA.

Doch in weitaus mehr Fällen als in Europa und den USA kommt bei asiatischen Firmen ein Austausch mit ihren Kunden zustande, wie man an der Zahl der angeschauten Videos und auch an der Zahl der Reaktionen von Zuschauern auf die Firmen-Videos auf den Youtube-Kanälen sieht.

Dieser Befund hat zum einen sicher damit zu tun, dass unter den führenden asiati-schen Firmen in der Fortune-Liste Elektronik- und Unterhaltungskonzerne wie Samsung, LG und Sony sind.

Es hat bestimmt auch damit zu tun, dass asiatische Gesellschaften – mehr als euro-päische und nordamerikanische – informelle Gesellschaften sind, in denen Kontakte zwischen Firmen weniger institutionalisiert sind und das Networking allgemein eine viel größere Rolle spielt. Und schließlich haben Asiaten ein ausgeprägt verspieltes Verhältnis zu elektronischen und Onlinemedien.

Das macht sie zu guten Playern in dem neuen Universum, von denen man sich im Westen bestimmt einiges abschauen kann. Also, Augen auf ….

Europas Zinsschock

Die Ratingagentur Standard & Poor´s prognostiziert Europa bei einem Anstieg der Anleihezinsen um 300 Basispunkte einen massiven Zinsschock.

Die Zusatzkosten könnten im Falle Griechenlands jedes Jahr zusätzlich 3,9% des BIP betragen, und sie könnten in Belgien, Frankreich, Irland, Italien, Portugal und Großbritannien jeweils über 2% des BIP ausmachen.

Die Annahme von S&P erscheint plausibel, denn schon im vergangenen Jahr war die Rendite bei der 10jährigen US-Anleihe um fast 200 Punkte geschwankt.

Dieses Jahr werden nicht nur viele Budgetdefizite in Europa neue Höchstwerte erreichen, es werden auch viele Altschulden refinanziert und die Notenbanken beginnen, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Für die Zinsen bedeutet das potenziell kräftigen Auftrieb.

Mehr dazu ins Gaertner´s Blog – http://tinyurl.com/yllvmsu

Deutsche Exporte erleiden Rückschlag

Ein Rückgang der Ausfuhren im Januar

bedroht den Aufschwung

Vancouver, 10. März 2010

Das war eine schlechte Zahl, die man nicht zurecht-interpretieren kann – die Exporte der deutschen Wirtschaft gingen im Januar laut dem Statistischen Bundeamt gegen-über dem Dezember um 6,3% zurück.

Das ist der kräftigste Rückgang seit einem Jahr. Und er gefährdet die noch junge Erholung, weil jetzt ein erneutes Minuszeichen vor der BIP-Zahl für das erste Quartal droht.

Experten hatten ein Pluszeichen vor der Zahl erwartet. Wie so oft in der jüngsten Zeit lagen damit wieder einmal viele “Experten” völlig daneben. Vielleicht sollten wir alle nicht mehr so kleinlich sein und die Vorzeichen schlicht missachten …

Verantwortlich machen “Experten” wie beim Außenhandelsverband BGA nicht nur die schlechte Konjunktur in anderen europäischen Staaten – vor allem südeuropäischen, wo die Investitionszurückhaltung die Nachfrage nach deutschen Produkten schwächt - sondern auch das miese Wetter, das in weiten Teilen des Alten Kontinents viele Baustellen schlicht lahmlegte.

Mit der heutigen Exportzahl flattert ein zusätzlicher Beleg dafür ins Haus, dass die Konjunktur im Euroraum nicht nur fragil ist, sondern möglicherweise gegen eine Mauer fährt.

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Europa droht ein Double-Dip

Enttäuschende Zahlen aus                                      

Frankreich und Deutschland verunsichern

Vancouver, 26. Februar 2010

Für Naschkatzen hat der Begriff Double Dip eine wesentlich positivere Bedeutung als für die Ökonomen. Bei Brausepulver, Schokolade, Gebäck und süßen Drinks ist das zweimalige Eintauchen gemeint, der doppelte Genuss der zarten Versuchung. Frei nach dem Motto, eine Sünde kann auch zwei Mal süß sein.

Bei den Analysten gehört der Begriff eher ins Gruselkabinett der hartnäckigen Rezessionen, die – nachdem besiegt – ihren hässlichen Kopf noch einmal herausstrecken.

 

 

Double Dip für Naschkatzen / colm bracken, Flickr

 

Die zunehmend positiven Konjunkturmeldungen im zweiten Halbjahr 2009 hatten die meisten Double-Dip-Propheten so verunsichert, dass der Begriff immer weniger bei Google auftauchte. Doch nicht nur in den USA – nach herben Einbrüchen in dieser Woche beim Konsumentenvertrauen und bei den Hausverkäufen – sondern auch in Europa dürfte der Begriff jetzt wieder öfter in den Schlagzeilen auftauchen.

Frankreichs private Haushalte konsumierten im Januar 2,7% weniger. In Deutschland erlitt der Geschäftsklimaindex des ifo-Instituts erstmals nach zehn Monaten Anstieg im Februar einen Rückgang. Und auch in Italien leidet das Konsumentenvertrauen.

Mervyn King, der Gouverneur der Bank of England, wird mit der Einschätzung zitiert, “Europas Erholung scheint zu stocken”.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=AgymtA6lGec]

Der Telegraph in Großbritannien, kein Anhänger seichter Worte für deftige Umstände, schreibt bereits von einem “Blizzard”, einem heftigen Schneesturm mieser Konjunk-turdaten aus Frankreich, Deutschland und Italien.

Das Problem ist nach Auffassung des britischen Notenbankchefs, dass die Überschussländer auf diesem Planeten nicht genügend Schwung in die Weltwirtschaft bringen, um die kontraktive Wirkung der Sparmaßnahmen von Defizitstaaten wie Großbritannien, den USA und Spanien auszugleichen. Nicht wenige fürchten als Folge drastischer Haushaltseinschnitte eine zweite Große Depression

Große Volkswirtschaften in Europa, wie Deutschland, brauchen den Export als Treibriemen, um sich aus der Rezession zu befreien.

Einige Analysten und Konjunkturforscher sehen Europa mangels eigener Dynamik nun abhängig von der Erholung anderswo, zum Beispiel in Asien. “Das ist eine prekäre Situation”, sagt Julian Callow bei Barclays Capital, “die Dinge müssen im Rest der Welt gut laufen, damit Europa eine doppelte Rezession vermeiden kann”.

 

 

Die gute Konsumenten-Fee / petesimon, Flickr

 

Die sich ausweitenden Streiks in Ländern, die den Gürtel nun wegen ihrer Haushaltsdefizite deutlich enger schnallen – darunter Griechenland, Spanien und Großbritannien – helfen in dieser Situation nicht. Doch Verteilungskämpfe werden wohl in den nächsten Monaten in Europa zunehmen und auf der jungen Erholung lasten, ähnlich wie die anhaltende Kreditkrise und bald auch steigende Zinsen.

Dabei darf man nicht außer acht lassen, dass der Euro trotz des jüngsten Einbruchs noch relativ hoch bewertet ist und die Exportwirtschaft nicht gerade fördert.

In der nächsten Zeit dürften vor allem steigende Arbeitslosigkeit, auslaufende Konjunkturprogramme, fiskalische Konsolidierung und die Schuldenkrise auf der Konjunktur lasten. In den vergangenen Wochen haben auch heftige Wintereinbrüche ihren Teil dazu beigetragen, den Gegenwind zu verstärken…

“Es wäre etwas verfrüht, schon von einem Ende der Erholung zu sprechen”, sagt Jürgen Michels, der Chefvolkswirt für die Eurozone bei der Citigroup in London, “aber wir beginnen das Jahr 2010 gedämpft und die Wachstumsprognosen werden schwerer zu erreichen sein.”


By rob

Staatspleiten sind historische Norm

Posted by Markus Gaertner on 26/02/10
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“Countries don´t go Bust”  

(Walter Wriston, Citibank chairman 1970s)

Vancouver, 25. Februar 2010  

Das Bild geht mir seit Tagen nicht aus dem Kopf: Der australische Magier und Illusionskünstler Cosentino ließ sich in der vergangenen Woche mit 60 Kilo Zement an den Füßen – sowie in Fußeisen und Handschellen verpackt – in das Haifischbecken des Aquariums von Melbourne versenken.  

Um die Symbolkraft und Dramatik seines spektakulären Befreiungsversuchs zu untermauern, wählte Cosentino den 100sten Jahrestag an dem 1910 der legendäre Harry Houdini - ähnlich gut verpackt – ebenfalls in Melbourne von der Queen´s Bridge ins Wasser gesprungen war. 

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=hqCgiULKVgU] 

Cosentino hatte geplant, sich in 2 Minuten 30 von den Haien zu verabschieden und aufzutauchen. Aber er brauchte eine ganze Minute länger.  

Während der Magier in einem dichten Schwarm gierig dreinblickender Raubfische – und mit nur einem Atemzug Luft in der Lunge – mühsam die Fesseln abstreifte, fühlte ich mich an die wachsenden Staatsschulden im Verlauf der aktuellen Krise erinnert. 

Sie ist ja laut Fed-Chairman Ben Bernanke noch nicht vorbei.  

Regierungen von Washington über Athen bis London und Berlin sind auf ihre Weise in Fesseln gelegt, die sie – zumindest kurzfristig – nicht abstreifen können.  

Im Gegenteil: Bei steigendem Wasserspiegel - sprich sinkenden Steuereinnahmen - ziehen sich die Fesseln unserer Finanzminister – die Schulden – ständig weiter zu. Von der Aussicht auf steigende Zinsen ganz zu schweigen.  

Cosentino hätte den Fehlschlag seines spektakulären Stunts wahrscheinlich nicht mit dem Leben bezahlt, Helfer hätten ihn rechtzeitig aus dem Wasser gezogen.  

Das kann man von den Opfern von Staatspleiten nicht immer sagen. Absolut herrschende Monarchen im mittelalterlichen Europa ließen Gläubiger immer mal wieder im Zuge eines “creditor restructuring” exekutieren, um sich mit ihnen die Forderungen vom Halse zu schaffen.  

 

Schuldenturm in Oxford, bald für die Finanzminister ? / Jim Linwood, Flickr

 

Doch was passiert, wenn Athen, Lissabon, Rom, London, Washington oder gar Berlin eines Tages feststellen, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich die Schulden vom Hals zu schaffen ? Ein massenhaftes “creditor restructuring”  ist ja zum Glück nicht zu befürchten.  

Doch wie kommen die hoch verschuldeten Staaten wieder aus dem Würgegriff heraus ? Diese Frage wäre vor einigen Jahren noch so ketzerisch gewesen, dass man den Autor dieser Zeilen schlicht als alarmistischen Journalisten oder Blogger abgetan hätte.  

Doch im November gab die Société Générale ihren Klienten in einem Bericht mit dem Titel “Worst-case debt scenario” schonmal Ratschläge, wie sie sich auf einen “globalen Kollaps” vorbereiten können. Heiliger Houdini !  

Und jetzt macht sich im stets informativen und für die Branche recht offenen “Global Economic Forum” von Morgan Stanley Gerard Minack Gedanken darüber, wie sich die hoch verschuldeten Länder von ihren Fußeisen und Handschellen befreien können:  

So many countries with so much debt; crisis seems very likely at some stage: As we’ve noted elsewhere, the options seem to be severe belt-tightening (threatening renewed developed world recession), bail-out or default, overt or covert … Bail-out is possible for an individual country, but not really feasible this time, given the breadth of the problem. Who could bail out the G-20?  

Was also ?: Gürtel enger schnallen, Bailouten, Sparen und Steuern erhöhen, oder die Gläubiger exekutieren ?  

Minack beginnt seine Betrachtungen mit einer historischen Einordnung, die er bei den Autoren des sehr lesenswerten Buches – “This Time is Different: Eight Centuries of Financial Folly”Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff entlehnt:

Erstens, die öffentlichen Schulden haben jetzt selbst in geschichtlicher Perspektive einen extrem hohen Stand erreicht. Zweitens, Staatspleiten sind – über die Jahrhunderte betrachtet - etwas normales. Und drittens, diesmal ist es aller Voraussicht nach nicht anders als in sämtlichen Krisen zuvor.  

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=A4nij8_l8SI]  

Rein handwerklich betrachtet, können hoch verschuldete Staaten sich aus der misslichen Lage heraus inflationieren oder direkt abwerten, wenn sie sich nicht mühsam – und politisch schwer durchsetzbar – mit einem grauenvollen Cocktail von Steuererhöhungen und drakonischen Spamaßnahmen zäh herauswinden wollen (mögliche Reaktionen, siehe Generalstreik in Griechenland), was einer fiskalischen Wasserfolter der Wähler gleichkäme.  

Selbst Frankreichs Monarchen im 18. Jahrhundert wählten den ersten Weg, obwohl sie ungleich mehr Gewalt und Macht über ihre Untertanen hatten als die bedauernswerten Finanzminister koalitionsgeschwächter moderner Regierungen. 

Minack geht davon aus, dass Inflationierung keine Lösung ist, weil damit viele der institutionellen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte über Bord geworfen werden müssten, darunter die Unabhängigkeit der Zentralbanken und die Inflationsziele.  

Wenn sie sich dennoch langsam aber schmerzvoll aus dem Schuldenloch herauswinden wollten, müssten die Notenbanken entweder dauerhaft die Zinsen auf einen Wert unterhalb der Wachstumsraten schleusen, was Hyperinflation auslösen könnte.

Die käme vermutlich erst nach Ben Bernankes zweiter Amtszeit. Vielleicht ist das der Grund, warum der Fed-Chairman am Mittwoch und Donnerstag zwei Mal regungslos betonte, die US-Zinsen müssten wegen des schwachen Arbeitsmarktes noch für einige Zeit auf dem aktuell sehr niedrigen Niveau bleiben.  

 

This Time Is Different, von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff

 

Die Regierungen könnten stattdessen aber auch versuchen, ein Wachstum zu begünstigen, das oberhalb des Zinsniveaus liegt. Minack fürchtet, dass sich die Eliten in Politik und Geldwirtschaft auf einen dritten Weg verständigen werden, eine “Regulierungs”-Lösung sozusagen, bei der die Geldhäuser mehr oder minder gezwungen werden, einen bestimmten Prozentsatz ihres Anlagevermögens in Treasuries anzulegen.  

Bei einer Bilanzsumme von 8.000 Milliarden Dollar und einem Pflicht-Anlagesatz von 20% für Treasuries könnte die US-Administration so etwa 1,6 Billionen Dollar zusätzlich einsammeln.

Doch das entspräche lediglich etwas mehr als einem Zehntel der bereits aufgelaufenen US-Gesamtschuld, die von der Schuldenuhr (National Debt Clock) im Internet aktuell angezeigt wird: 12.416 Milliarden Dollar (am 25. Februar um 23 Uhr mitteleuropäischer Zeit).  

Es sieht also nicht gut aus, wenn selbst Herrn Minack nur Zwangsmaßnahmen einfallen, die obendrein lediglich einen Bruchteil des Problems lösen würden. Mal ganz abgesehen von dem Aufstand, den Fondsmanager und Anleger machen würden, wenn sie viel mehr als bisher in Staatsanleihen mit einer ungewissen langfristigen Zukunft investieren müssten.  

Carmen Reinhart selbst hat die Essenz der spannenden historischen Untersuchung über die Geschichte der Finanzkrise in einem Aufsatz zusammen gefasst. Sie beginnt ihre Ausführungen mit einer dringlichen Warnung:  

We note that policymakers should not be overly cheered by the absence of major external defaults from 2003 to 2007, after the wave of defaults in the preceding two decades. Serial default remains the norm; major default episodes are typically spaced some years (or decades) apart, creating an illusion that “this time is different” among policymakers and investors. We also find that high inflation, currency crashes, and debasements often go hand-in-hand with default. Last, but not least, we find that historically, significant waves of increased capital mobility are often followed by a string of domestic banking crises.  

Reinharts Ausgangsthese basiert auf dem Studium von 800 Jahren menschlicher Finanzeskapaden. Ihre Feststellung: “Serienweise Staatspleiten sind die Norm in jeder Region dieser Welt, Asien und Europa eingeschlossen”. Länder mit einem starken Zufluss von ausländischem Kapital (USA, gut zuhören!) sind einem hohen Risiko von Schuldenkrisen unterworfen. 

 

Aus dem Buch von Giselle Datz

 

Zweitens, zwischen steigender Mobilität von Kapital, wie sie in den vergangenen Jahren beobachtet wurde, und dem Ausbruch von Bankenkrisen (Carry Trades !) besteht ein enger Zusammenhang.  

Reinhart räumt auch mit der weit verbreiteten Annahme auf, Schwellenländer seien vor einem Finanzkollaps besser gefeit, weil dort seit Jahren wegen des rasant wachsenden Bondmarktes der heimische Anteil der Gläubiger gegenüber internationalen Gläubigern zunimmt. Laut ihren Zeitreihen hatten bei den weitaus meisten Finanzkrisen seit 1900 inländische Gläubiger einen Anteil von über 50% der Anleihen gekauft.  

Besonders deutliche Worte verwendet Reinhart auf das, was sie das “diesmal-ist-es-anders-Syndrom” nennt:  

This brings us to our central theme – the “this time is different” syndrome. There is a view today that both countries and creditors have learned from their mistakes. Thanks to better-informed macroeconomic policies and more discriminating lending practices, it is argued, the world is not likely to again see a major wave of defaults. Indeed, an often-cited reason these days why “this time it’s different” for the emerging markets is that governments are managing public finances better, albeit often thanks to a benign global economic environment and extremely favourable terms of trade shocks. Such celebration may be premature. Capital flow/default cycles have been around since at least 1800. Technology has changed, the height of humans has changed, and fashions have changed. Yet the ability of governments and investors to delude themselves, giving rise to periodic bouts of euphoria that usually end in tears, seems to have remained a constant.  

Wie Staaten im Verlauf der Geschichte ihre Gläubiger über den Tisch gezogen, in Grund und Boden inflationiert, miserabel entschädigt oder schlicht ruiniert haben, das hat die Akademikerin Giselle Datz 2006 in dem Papier  

“Crisis and Reversal of Fortune? Sovereign Default, Debt Restructuring, and Economic Performance in Argentina” akribisch untersucht.   

Pikanterweise macht sie die erste geschichtlich belegte Staatspleite im 4. Jahrhundert vor Christus in Griechenland aus. Damals ging 10 von 13 griechischen Städten finanziell die Luft aus. Im Altertum, so Datz in dem an Beispielen reichen Buch, seien die meisten fiskalischen Krisen durch eine Abwertung gelöst worden. 

Umschuldungen hat es erst in der modernen Phase in Frankreich, Spanien und Portugal ab dem 16. Jahrhundert gegeben. Eine regelrechte Explosion von Schuldenkrisen und Staatspleiten hat es demnach erst ab dem 19. Jahrhundert gegeben. Dies ist ein Nebenprodukt zunehmender grenzüberschreitender Schulden-Finanzierung. 

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Politische Umwälzungen haben im 19. und 20. Jahrhundert sehr viele Schuldenkrisen ausgelöst. Beispiele sind die Türkei und Österreich-Ungarn, die mit Beginn des Ersten Weltkriegs ihren Schuldendienst an Kriegsgegner aussetzten. Mexiko (1914), Russland (1917), China (1949) und Kuba (1960) zahlten nach Revolutionen oder kommunistischen Machtergreifungen nicht zurück. 

Die Pleiten kamen jeweils regional konzentriert und zeitlich in Wellen, wie Datz feststellt. Insgesamt acht Phasen massiver Kreditexpansion waren den meisten der Krisen vorausgegangen: Zum Beispiel in den frühen 1820er Jahren an die unabhängig gewordenen lateinamerikanischen Länder, in den 1830er Jahren an die USA, Spanien und Portugal, oder in den 1920ern an Deutschland, Japan, Australien und andere Länder. 

Viele dieser Kreditexpansionen wurden durch politische Veränderungen ausgelöst, die großen Kapitalbedarf nach sich zogen oder in großem Umfang Investitionschancen schufen, wie das Ende der napoleonischen Kriege in Europa (1820er) oder das Ende des Ersten Weltkrieges. Auch Zyklen ökonomischer Expansion oder starker Ersparnisformation spielten eine wichtige Rolle. 

Die starke Kreditausweitung an Entwicklungsländer in den 70er Jahren beispielsweise  ging darauf zurück, dass US-Banken im aufkommenden Markt für Firmenanleihen viel Geschäft verloren und im Ausland neue Kunden suchten. 

 

Ironische Darstellung der Argentinien-Krise im Sagamore Journal, Flickr

 

Doch dann kommt der Hammer in diesem Buch: “Alle Kreditbooms haben bisher in einem Desaster geendet”, stellt Datz fest. Die einzelnen Fälle sind in dem Buch akribisch aufgeführt und müssen hier nicht wiederholt werden. 

Ihre eigenen Tabellen interpretiert Datz in der Zusammenfassung so: 

 “Several interesting facts emerge from the table. First, many countries and regions—even some that received substantial debt inflows—never defaulted. This includes the United States at the federal level, Canada, Australia, South Africa (except for an episode related to sanctions in 1985), most Asian countries, and most Arab countries. Second, most Latin American countries defaulted repeatedly, and Latin America as a region is represented in all default waves since the 1820s. Third, some countries appear to ‘‘graduate’’ from repeated defaults. No western European country has defaulted since the interwar period.”
 
Datz befasst sich auch damit, wie diese Krisen beigelegt wurden. Ihre Zusammenfassung lautet so: ”Die große Mehrheit der Staatspleiten im 19. und 20. Jahrhundert wurde durch Einigungen zwischen Schuldnern und Gläubigern beigelegt”. Zunächst (1820-1870) durch spontan einberufene Ausschüsse, die sich durch schlechte Kommunikation und Abstimmung auszeichneten und wenig für die Gläubiger herausholen konnten.
 
Wie schwierige diese Prozesse waren, sieht man an der durchschnittlichen Dauer der Verhandlungen zwischen beiden Parteien von 14 Jahren !
 
Erst ab 1868 besserte sich das mit der Gründung der Gläubigervereinigung British Corporation of Foreign Bondholders (CFB), denen Mitglieder des Bankenverbandes, der Londoner Handelskammer und neun Vertreter der Anleihebesitzer angehörten. Die CFB erlangte für die Anleger große Macht, indem sie den Zugriff der Schuldner auf den Londoner Kapitalmarkt kontrollierte.
 
Die Londoner Börse gab keine neuen Anleihen mehr für insolvente Staaten heraus. Das zwang die hoch verschuldeten Länder zu gütlichen Einigungen bevor es zu spät war.
  
 
Die CFB verhandelte für viele Jahre mit allen großen Schuldnerländern, darunter Spanien, Portugal, Griechenland, Türkei, Peru, Mexiko, Brasilien und Argentinien. Bis 1906 konnte sie das Volumen unbezahlter Kredite von 300 Millionen Pfund Sterling (in den 1870ern) auf 25 Millionen zurückführen.
 
Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurden in vielen Ländern Europas und den USA Ausschüsse nach dem Vorbild des CFB gegründet. Dann begann sich der internationale Kapitalfluss dramatisch zu ändern.
 
Bis zu den 1970ern verringerte sich die Zahl der Gläubiger durch die Syndizierung von Krediten auf jeweils nur zehn bis 20 Bankgruppen. In den späten 70er Jahren, als zahlreiche Schwellenländer – darunter Peru, der Sudan, die Türkei und Polen – in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, bildete sich aus diesen Banken der “Londoner Club”.
 
Diese Gruppe verhandelte Deals mit den Schuldnern und überließ es dann den einzelnen Gläubigern zu unterzeichnen oder nicht.  In den 80er Jahren kam das von den Banken gegründete Institute of International Finance in Washington hinzu, das Informationen über die Schuldnerländer sammelte
 
Auch der Londoner Club konnte durch das Blocken neuer Kredite säumige Zahler relativ gut zur Raison bringen. Verhandlungen, die 100 Jahre zuvor 14 Jahre gedauert hatten, wurden jetzt nach Monaten abgeschlossen.
 
Bei den Umschuldungen seit dem letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts kamen durch die LIberalisierung der Finanzmärkte immer mehr kleinere Anleger hinzu, viele Nichtbanken. Deren Repräsentation wurde schwieriger. Wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts werden wieder öfter Ad-hoc-Gruppen aus den Reihen der Gläubiger gebildet.
 
Die Argentinien-Krise führte 2004 zur Gründung eines Global Committee of Argentina Bondholders. Die Regierung in Buenos Aires vermied formale Verhandlungen mit diesem Ausschuss und die Anleger verloren entsprechend viel Geld.
 
 

 

 

 
Und wie haben die Investoren im Verlauf dieser Phasen abgeschnitten ?
 
Von 1820 bis 1870 gab es nur wenig Abschläge vom Nominalwert der Anleihen. Die Zinsen wurden in der Regel um 15% reduziert, 81% der ausstehenden Forderungen in neue Bonds umgewandelt.
 
In der zweiten Phase bis 1925 verloren die Gläubiger gleich viel bei den Zinsen und im Schnitt etwa 23% ihres Einsatzes. Bei den monetären Verlusten auf den Einsatz muss allerdings berücksichtigt werden, dass immer öfter Land und Eisenbahnanlagen als Entschädigung angeboten wurden.
 
Zwischen den Kriegen wurden die Verhandlungen noch schwieriger, die Verluste der Investoren größer: 34% Zinsabschlag und 23% Verlust der Investition, ohne irgendwelche nicht-monetären Entschädigungen. Für den Zeitraum 1998 bis 2005 gibt es jüngere Untersuchungen, die zu folgendem Schluss kommen.
 
Die “Haircuts” genannten Verluste der Anleger reichten von 5-20% im Falle Uruguays (2003), über mehr als 50% im Falle Russlands (2000) bis hin zu über 70% bei Argentinien (2005).
 

By rob

Massensterben

Immer mehr EU-Firmen im Jenseits                                      

Vancouver, 4. Februar 2010 

Die Creditreform Wirtschaftsforschung hat heute auf ihre Weise Bilanz des Jahres 2009 gezogen und die Insolvenzzahlen für Europa präsentiert. Fazit: Die Krise hat den Firmen im Euroland ordentlich zugesetzt. Betrachtet wurde die EU-15 mit Norwegen und der Schweiz. Gezählt wurden 185.000 Unternehmens-Insolvenzen, 22% mehr als im Vorjahr. 

Sowohl die sektorale als auch die geografische Verteilung fiel sehr unterschiedlich aus. 

In Mittel- und Osteuropa stieg laut Creditreform die Zahl der Firmen-Insolvenzen um satte 44%, doppelt so stark wie in Westeuropa. In Spanien hat sich die Zahl fast verdoppelt, ein Massaker, das die prekäre Lage im Club Med verdeutlicht. 

Positiv zu erwähnen sind Belgien, Frankreich, Österreich und Deutschland, wo die Zuwächse bei den Insolvenzen unterhalb des EU-Schnitts blieben. 

Nach Branchen betrachtet hat es erwartungsgemäß die Dienstleister besonders hart getroffen. Der Anteil der Dienstleister an allen Insolvenzen liegt demnach bei 37,7%, fast doppelt so hoch wie in der Bauwirtschaft, die mit 20,9% an dritter Stelle an der Statistik beteiligt ist. Der Handel folgt – trotz leicht abnehmendem Anteil an der Gesamtzahl der Insolvenzen – mit 30,2% den Dienstleistern auf dem Fuß. 

Die Lage im Baugewerbe, das naturgemäß in einer vom Immobiliensektor ausgegangenen Krise besonders getroffen wird, schildert Creditreform in der Pressemeldung zu der Studie so

“Im europäischen Baugewerbe hat sich die Insolvenzsituation 2009 etwas beruhigt. Zwar kam für rund 38.800 Bauunternehmen das Aus (Vorjahr: 32.000). Der Anteil des Sektors am Insolvenzgeschehen nahm aber von 21,1 auf 20,9 Prozent leicht ab. Der Handelssektor verlor 2009 ebenfalls an Bedeutung für die europäische Insolvenzentwicklung. Nur noch 30,2 Prozent aller Verfahren betrafen eine Handelsfirma. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 32,4 Prozent. Die absolute Zahl der insolventen Betriebe stieg aber von 49.200 auf 56.000 Fälle”. 

Besonders interessant finde ich den Abschnitt über den Zusammenhang zwischen Eigenkapital und Insolvenzrisiko. Creditreform führt auf, welchen Anteil an allen Insolvenzen in den untersuchten Ländern Firmen mit weniger als 10% Eigenkapital haben. Resultat: Die Spannweite reicht von 36,7% in Italien bis 18% in Skandinavien. Auch hier ist die Schilderung der Situation aufschlussreich:

“Unter den verschärften Fremdfinanzierungsbedingungen kommt der Eigenfinanzierungskraft der Unternehmen eine immer größere Bedeutung zu. Allerdings zehrt die schlechte Ertragslage zunehmend an den Kapitalrücklagen der Unternehmen. Die Eigenkapitalausstattung als wichtige Säule der Unternehmensstabilität bekommt zusehends Risse. Aber nur mit einer ausreichend dicken Kapitaldecke können konjunkturelle Dellen überwunden und Zahlungsverzögerungen bzw. -ausfälle ausgeglichen werden. In den Turbulenzen der Finanzmarktkrise sorgt eine hohe Eigenkapitalquote für bessere Karten bei der Aufnahme eines Bankkredits. Falls Fremdkapital, beispielsweise für ein Investitionsvorhaben, benötigt wird, ist die Eigenkapitalquote eine ausschlaggebende Kennzahl bei der Bestimmung der Kreditkonditionen”.


By rob

Europäer sind die neuen Chinesen

Sparen in Europa zwischen Sicherheit und Stimulus

Vancouver, 2. Februar 2010

Griechenland wackelt, der Euro schwächelt, die Politik ist zerstritten oder gelähmt, die Märkte noch schwach, die Erholung fraglich, zumindest fragil. Das ist die aktuelle Perspektive eines ganz normalen Straßeneuropäers; in den USA würde man die fiktive Figur “Joe Sixpack” nennen.

Während die Medien – munitioniert von staatlichen Statistikern und bezirzt Wall Street-Chören – der angeblichen Erholung viel redaktionellen Raum schenken, blicken die Euro-”Joes” mit ziemlicher Skepsis in die Zukunft.

Bei den Berufsanfängern bis 25 Jahre herrscht in weiten Teilen des Kontinents deprimierende Arbeitslosigkeit. In Davos, unter der Geldelite, herrschte diesmal Ratlosigkeit über den Weg aus der Krise. Ein Handbuch zum Nachbeten, eine Gebrauchsanleitung, gibt es nicht für solch ungewöhnliche ökonomische Entwicklungen. 

 

Europa Quo Vadis ? / JL Cernadas, Flickr

 

Die EZB hat gerade eine Pressemeldung über die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum herausgegeben. Darin sticht hervor, dass im dritten Quartal (aktueller geht´s nicht mit so einer Armada von Euro-Beamten ?) 2009 die annualisierte Wachstumsrate des verfügbaren Nettoeinkommens um 3,2% gesunken ist.

An der Wall Street würde man sagen: Klasse, im Vorquartal betrug der Absturz noch satte 4,8%, ein richtiger Green Shoot.

Die Europäer selbst, verunsichert von Warnungen über einen Finanzkollaps in Griechenland und in Erwartung steigender Preise - weil der Euro schwächelt - sparen zunehmend. Sie wollen sich für den Fall wappnen, dass die Rezession wieder die Oberhand über die Wackelerholung gewinnt. Das Herumeiern der Konjunktur an der Nulllinie flößt nicht allzu viel Vertrauen ein.

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Mit 15,8% liegt die Sparquote im Euroraum nun drei Mal so hoch wie in den USA, wo sie im November 4,7% erreichte. Kein Wunder, die Amerikaner kommen von einer negativen Sparquote und konsolidieren ihre privaten Familien-Bilanzen angesichts von über sieben Mio. Jobverlusten in der Rezession nur äußerst mühsam.

Selbst im (ehemaligen) Olymp der Sparer, in Japan, ist die Sparquote inzwischen auf 2% abgeschmolzen, von über 10% vor einem Jahrzehnt. Das ist im wesentlichen die Folge einer ergrauenden Bevölkerung und der Tatsache, dass laut EZB mehr als jeder dritte erwerbsfähige Japaner nur einen Zeitvertrag in der Tasche hat. Wer raubt da schon sein Sparbuch aus, oder macht Streckübungen auf der Kreditkarte ? 

Im Klartext: Die Europäer sind jetzt die Chinesen der Welt, was das Sparen angeht, abgesehen von den Chinesen selbst natürlich. Deren Sparquote, die sich in den vergangenen Jahrzehnten auf über 30% verdoppelte, darf man als temporäre Besonderheit in der aktuellen Entwicklungsstufe des Landes betrachten: Wegen der 1-Kind-Politik, dem Mangel an Konsummöglichkeiten im Hinterland, der privaten Vorsorge für Krankheit.


By rob

Gärtner's Blog rss

This Blog will be about economic trends and interactions between the main economic regions Europe, Asia and North America. The topics are trade, investment, companies and industries as well as capital markets. more.



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